Donnerstag, 22. August 2013

Rezi "Und wenn wir fliehen" Megan Crewe

Titel: Und wenn wir fliehen
Autor: Megan Crewe
Originaltitel: The Lives we Lost
Verlag: FISCHER KJB
ISBN: 978-3596854547
Preis: 16,99 €
Genre: Dystopie, Jugendbuch
empfohlenes Alter: 12 - 16 Jahre
Format: Hardcover ohne Schutzumschlag
Seitenzahl: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.08.2013
Reihe: 2/3


4 von 5 Sternen
*Inhalt:*
 Akut!
Erst nahm ihr das Virus ihre Freunde. Dann ihre Familie. Und jetzt ihr Zuhause.
Es gibt kein Zurück. Das Leben, das sie einmal hatte, ist für immer vorbei.
Leo ist zurück auf der Insel! Doch er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Auch auf dem Festland wütet das Virus und hinterlässt Tod und Verzweiflung. Die wenigen Überlebenden sind zu gewissenlosen Killern geworden. Es gibt nur eine Chance, die Menschheit zu retten: Kaelyn muss jemanden finden, der den Impfstoff aus dem Labor ihres Vaters reproduzieren kann. Doch die gefährliche Suche wird gleichzeitig zu einer Flucht, und Kaelyn muss sich ungeahnten Herausforderungen stellen, um zu überleben und die zu schützen, die sie liebt.
Der zweite Band der nervenaufreibenden Trilogie von Megan Crewe – spannend und emotional!
© Fischer KJB

*Wie kam das Buch zu mir*
Mir hat zwar Teil 1 („Wir sind verbannt“) nicht ganz so gut gefallen, aber es hat mich zumindest so interessiert zurückgelassen, dass ich Band 2 eine Chance geben wollte. Dieser Band wurde mir vom Fischer Verlag zur Verfügung gestellt.

*Aufmachung/Qualität*
Das Buch hat keinen Schutzumschlag, aber dafür ist das Cover an sich bedruckt. Ich liebe ja die Aufmachung dieser Reihe. Das Cover von diesem zweiten Band passt sehr gut zum Inhalt und stimmt einen atmosphärisch gleich richtig ein.

*Meinung:*
Erst einmal muss ich sagen, dass dieser zweite Band um Längen besser war als der erste. Warum beschreibe ich gleich näher.

Die Grundidee ist ja schon aus Band 1 bekannt und man muss unbedingt den ersten Teil als erstes lesen. Ansonsten macht dieser Band wenig bis gar keinen Sinn. Das bedeutet leider auch, dass ich jetzt hier zu Band 1 spoilern werde. Wer „Wir sind verbannt“ noch nicht gelesen hat, sollte daher diesen Absatz überspringen. Kaelyn hat ja mittlerweile die Impfproben ihres Vaters gefunden und versucht nun jemanden zu finden, der den Impfstoff reproduzieren kann und somit den Virus aufhalten kann der schon so viele Menschen dahingerafft hat. Auf der Insel wird ihr das nicht gelingen und daher muss sie sich zum Festland aufmachen. Das macht sie nicht allein, aber wen genau sie mitnimmt, möchte ich hier nicht verraten, denn das war eine der vielen überraschenden Wendungen, die es dieses Mal in der Story gab und sie so lesenswert gemacht haben. Wichtig ist eigentlich nur zu wissen, dass dieser Band sich ausschließlich mit der Reise auf dem Festland und der Suche nach einem Arzt oder Wissenschaftler beschäftigt. Interessant wird das ganze durch die Menschen, denen Kaelyn und Co. begegnen und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Im Gegensatz zu Teil eins packte mich diese Handlung komplett. Endlich wurde durch manchmal kleine und subtile Dinge das Grauen geschildert welches sich durch eine solche Virus-Katastrophe entwickeln kann bzw. wie sich Menschen verändern können, wenn es ums überleben geht. Aber auch Dinge wie Hunger, Kälte, Verantwortung für andere, Hoffnung, Zweifel und Angst wurden dieses mal viel besser umgesetzt bzw. vermittelt.

Der Schreibstil hat sich ebenfalls geändert, da nun nicht mehr in Tagebuchform sondern ganz 'normal' in Ich-Form aus Kaelyns Sicht und der Vergangenheit geschrieben wurde. Das passte einfach viel besser zur Story und man hatte das Gefühl wirklich dabei zu sein. Ohne es recht beschreiben zu können, hatte ich aber auch dieses mal wieder das Gefühl, dass der Schreibstil eher in Richtung Kinderbuch geht, obwohl es inhaltlich nun wirklich kein Kinderbuch ist. Trotzdem wirkt es einfach nicht so erwachsen wie andere Bücher dieses Genres.

Ich fand das Buch sehr spannend, aber ich bin ja kein großer Fan von Spannung und was ich als angenehm empfinde, kann für hartgesottene noch langweilig sein. Positiv aufgefallen ist mir dieses Mal vor allem, dass es unglaublich viele unvorhersehbare Wendungen gab. Es gab zwar wieder ein paar Sachen, die sehr vorhersehbar waren, aber im Großen und Ganzen war ich sehr überrascht, wie abwechslungsreich und unvorhersehbar die Handlung war. Das Leben auf dem Festland ist alles andere als einfach. Zum einen müssen sich Kaelyn und Co. durch eine Winterlandschaft kämpfen, die ohne intakte Infrastruktur, Strom und Heizung alles andere als idyllisch ist. Sie sind auch ständig in Gefahr. Zum einen können ja schon kleine Verletzungen verheerend sein, wenn man keine medizinische Versorgung hat. Aber auch der Virus ist weiterhin am wüten und die Menschen haben sich ebenfalls verändert. Jeder kämpft ums Überleben und das auf unterschiedliche Art und Weise. Dies alles wird für ein Kinder-und Jugendbuch ziemlich realistisch herüber gebracht und packte mich daher total. Schon in Band eins musste man ja mit Krankheit, Verlust, Mord und Gewalt klarkommen, aber hier wird es noch ein bisschen härter. Ich finde es aber für ein Jugendbuch ab 12 Jahren gut, dass es sich erst mit jedem Band steigert und nicht gleich so heftig war. Hier trifft man im Laufe der Handlung auf viel Leid, Angst und Tote. Auch Gewalt, Unterdrückung und Mord spielt eine Rolle. Positiv ist aber hervorzuheben, dass dies alles kritisch reflektiert wird und es keine Gewaltverherrlichung gibt. Daher würde ich persönlich der Altersangabe des Verlages zustimmen.

Beim Thema Emotionen bin ich ja im Gegensatz zur Spannung sehr anspruchsvoll. Da konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen und ich gab 0,5 Sterne Abzug. Die Charaktere sind nicht gerade flach aber auch nicht wirklich so tief ausgearbeitet, dass man richtig mit ihnen mitfühlt. Es gab stellen, die mich schon sehr berührten oder wo ich mitfieberte, ob sie das unbeschadet überstehen werden, aber die Grundstimmung beim Lesen war für mich einfach eher neutral.

Die Charaktere wachsen mir nach und nach ans Herz, aber wie oben schon beschrieben werden sie nicht allzu sehr ausgearbeitet oder emotional beschrieben. Interessant fand ich, dass wir einige neue Charaktere kennen lernen. Kaelyn muss einige moralische Entscheidungen treffen, die das Leben bestimmter Charaktere entscheidend beeinflussen. Das war sehr interessant und wurde gut vermittelt. Leider konnte ich mich mit einigen ihrer Entscheidungen nicht anfreunden und hätte anders reagiert. Natürlich war klar, dass diese Entscheidungen aus einem bestimmten Grund gefällt wurden. Man brauchte dies für den Handlungsverlauf, aber dadurch war leider schon schnell klar was passieren wird und das ich es nicht mögen werde. Wir lernen viele Charaktere kennen – einige davon sind sehr sympathisch, andere durchweg böse und wieder andere nerven schrecklich. Alle passen aber super in die Story genauso wie sie sind.

Die Liebesgeschichte spielt hier nur eine winzig kleine Rolle. Das finde ich sehr realistisch, denn die Charaktere kämpfen hier ums Überleben und haben momentan kaum Zeit für anderes. Trotzdem mag ich die Liebesgeschichte zwischen Gav und Kaelyn und ich habe mit den beiden sehr gelitten in diesem Band. Das nun Leo aufgetaucht ist und es mal wieder eine Art Liebesdreieck gibt, finde ich jetzt nicht ganz so toll, aber es wird akzeptabel in die Story eingebaut.

So nun komme ich zum letzten Abzug, den ich dem Buch gegeben habe. Ein weiterer halber Stern/Punkt Abzug hat das Ende zu verschulden. Die Geschichte enden einfach mitten in der Handlung. Für mich ist es ein sehr großer Cliffhanger und sehr unbefriedigend. Es schweben Personen in Gefahr, die mir am Herzen liegen und alles andere steht auch immer noch in den Sternen. Im Prinzip ist dieser Band nur ein Mittelstück eines Ganzen. Wo der erste Band wenigstens noch ein kleines abgerundetes Teilende hatte, so bricht die Handlung hier einfach mittendrin ab. Das mag ich persönlich überhaupt nicht und ich kann nur hoffen, dass der nächste Band bald heraus kommt.

Warnungen: Gewalt, Mord, Hunger (Warnungen sind bei mir nicht negativ wertend gemeint, sondern nur ein Hinweis für die Leser, die aus persönlichen Gründen ganz gezielt bestimmte Inhalte vermeiden möchten.)

Grundidee 4,5/5
Schreibstil 4/5
Spannung 4,5/5
Emotionen 3/5
Charaktere 4/5
Liebesgeschichte 3/5

*Fazit:*
Dieser zweite Band ist um Längen besser als Band 1. Er überzeugt mit einer tollen Reise durch unwegsames und gefährliches Gebiet, mit dem Grauen einer Virusepidemie und mit interessanten moralischen Entscheidungen. Abzug gab es von mir für die nicht ganz so tief ausgearbeiteten Charaktere und vor allem durch das für mich schreckliche Ende, das eigentlich gar keines ist. Grundsätzlich kann ich diese Dystopie allerdings jedem empfehlen. Ich finde das ganze für ein Jugendbuch ziemlich realistisch beschrieben.

4 von 5 Sternen
 

Reihe:
Und wen wir fliehen
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