Sonntag, 18. August 2013

Rezi "Im Zauberhaften ABC-Zug..." Andrea Schütze

Titel: Im zauberhaften ABC-Zug zum Zungenbrecherfelsen
Autor: Andrea Schütze
ISBN: 9783468210051
Preis: 14,99 €
Genre: Kinderbuch
empfohlenes Alter: ab 5 (laut Verlag) (meine Einschätzung ab 7 Jahren)
Format: Hardcover ohne Schutzumschlag
Seitenzahl: 80 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.08.2013



3,6 von 5 Sternen
*Inhalt:*
 Lea, Tim und Emily begeben sich mit ihrem Opa wieder auf eine abenteuerliche ABC-Reise. Diesmal tuckern sie in einer Lokomotive durchs Buchstabenland und machen neue lustige Bekanntschaften. Kleine Elfchen zeigen ihnen, wie man ganz leicht Gedichte selber macht. Das Quatschmatschmonster stellt knifflige Quatschfragen und am Zungenbrecherfelsen beweist Herr Fels, wie toll er schwierigste Schnellsprechsätze aufsagen kann. Ob die Kinder da mithalten können? Ein großer Wörterspielspaß für die ganze Familie.
(c) Langenscheidt

*Wie kam das Buch zu mir*
Dieses Buch habe ich von Vorablesen zur Verfügung gestellt bekommen.

*Aufmachung/Qualität*
Die Aufmachung des Buches ist sehr schön und die Verarbeitung hochwertig. Das Buch ist sehr stabil und für Kinderhände geeignet.

*Meinung:*
 Dieses Buch habe ich mal wieder mit Kinder bei meiner Arbeit im Mutter-Kind-Haus getestet. Zu den Praxiserfahrungen komme ich am Ende der Rezension. Erst einmal möchte ich ganz allgemein etwas zum Buch sagen und meine ganz persönlichen Eindrücke schildern.

Schon als ich mir das Buch auf Vorablesen.de angesehen habe, war ich skeptisch, was die Altersangabe betrifft. Ich arbeite mit Kindern im Alter von 0-7 und dann wieder mit jungen Menschen von 12 bis 27 Jahren. Schon die Leseprobe war für das empfohlene Alter von 5+ Jahren sehr anspruchsvoll, aber ich war gespannt wie der Rest des Buches sei.

Die Grundgeschichte des Buches ist richtig klasse und kindgerecht. Ein Opa unternimmt eine Fantasyreise mit seinen 3 Enkeln und wird an einigen Stellen auch von der Oma dabei unterstützt. Die kleine Gruppe geht im Keller des Hauses mit einem Fantasy-Zug auf die Reise zu verschiedenen Stationen, die jeweils etwas mit einem bestimmten Buchstaben des Alphabets zu tun haben. Bei einigen Stationen geht es nur um den Buchstaben, bei anderen aber auch um Begriffe aus der Grammatik und eine Station vermittelte sogar Wissen aus dem Englischem. So wurden zum Beispiel Begriffe wie Anagramm, Homonyme und Homophone erklärt. Das bei einem vorgeschlagenen Alter von ab 5 Jahren? Selbst die Mütter, die bei meinem Testlesen mit den Kindern dabei waren, konnten dem ganzen nicht folgen. Das machte auch für die Kinder keinen Sinn. Für durchschnittlich intelligente Erwachsene hat es sicher einen Lerneffekt beim Vorlesen und wie die Kinder darauf reagieren, kommt sicher auf das Temperament und die Auffassungsgabe jedes einzelnen Kindes an. Meine Tester haben ganz unterschiedlich reagiert, aber dazu später mehr. Ich persönlich finde, dass dies zu viel des Guten war und zu sehr in Richtung Lehrbuch abdriftete. An sich war die Grundgeschichte aber sehr fantasyreich und oft auch sehr lustig. Ganz nebenbei lernt mach auch noch, dass sich Raupen verpuppen und das eine Lokomotive mit Kohle betrieben wird und vieles mehr.

Auch einen sozialen Lerneffekt hat das Buch. Die Kinder lernen auf spielerische Art und Weise, dass man teilen, Rücksicht nehmen und sich nicht über andere lustig machen sollte. Es gibt auch oft Stellen bei denen man das Kind aktiv zu seiner Meinung befragen kann oder es zum mitmachen auffordern kann. Für ältere Kinder ist das Anagramm legen sicher sehr interessant. Aber auch das Morsealphabet und das nationale und internationale Buchastbieralphabet bieten tolle Mitmach-Möglichkeiten. Leider waren meine Tester zu jung dafür. Beim Kapitel zum Morsealphabet und am Ende wird sogar aktiv zum Rätsellösen aufgefordert, ansonsten kann man kleine Aufgaben aber super beim Lesen des jeweiligen Kapitels einbauen. Ich denke für Grundschullehrer/innen im Deutschunterricht wäre dieses Buch eine sehr schöne Ergänzung. Vor 7 Jahren würde ich das Buch allerdings nicht empfehlen und einige Kapitel sind selbst für 7 Jährige noch zu kompliziert, um sie in ihrer Komplexität voll zu erfassen. Einen hohen Lerneffekt hat das Buch sicher erst für 8 Jährige.

Die Zeichnungen im Buch stammen von Judith Ganther und ich finde sie einfach aber sehr kindgerecht. Das Buch wirkt sehr bunt, aber nicht überladen. Es gibt vieles auf den Bildern zu entdecken und gerade für die jüngeren Kinder ist der Bezug des Textes zu den Bildern sehr wichtig. Ich habe oft versucht nach oder mitten im Lesen, auch die Bilder mit einzubeziehen. Das gelingt bei dem Buch sehr gut.

Sowohl die Bilder als auch die Geschichte ist sehr humorvoll geschrieben. In manchen Kapiteln musste selbst ich schmunzeln und es werden einige Zungenfertigkeiten von den Vorlesern gefordert. Stellenweise muss man Wörter ohne Vokale oder mit vertauschen Buchstaben vorlesen, was nicht immer einfach ist, aber zu großer Belustigung beim Publikum führt.

So nun zum Praxistest:
Testperson Nummer 1:
6 Jahre, weiblich
Leider mussten wir das Vorlesen nach einigen Kapiteln abbrechen, weil sich einfach kein Interesse dafür einstellte. Wir versuchten es an 3 verschiedenen Tagen, aber dann hatte sie endgültig keine Lust mehr. Die Bilder gefielen ihr zwar, aber sie verstand rein gar nichts von der Geschichte. Zum Schluss suchte ich nur noch die lustigen Geschichten heraus und erzählte selbst etwas zu den Bildern. Das war dann wieder interessant für sie. Das größte Problem war wohl, dass die Geschichte bereits mit einem der schwersten und für jüngere Kinder uninteressantesten Kapitel anfängt – dem Anagramm. Das war dermaßen verwirrend und uninteressant für sie, dass das Interesse am Buch schnell erlosch. Obwohl die Testperson schon viele Buchstaben kennt und sogar einige schreiben kann, war das eindeutig zu hochtrabend für sie. Die Kapitel beziehen sich auch zu etwa 80% auf den reinen Lerneffekt. Selbst durch Einbeziehen der Bilder, konnte nur gering mehr Interesse bei der Testperson ausgelöst werden. Die Bilder waren toll und sie erzählte gern selbst eine Geschichte dazu oder zählte bestimmte Sachen darauf, aber das war es dann auch. Endergebnis: kaum Begeisterung, kein Lachen, kein Lerneffekt, Abbruch des Buches

Testperson Nummer 2:
7 Jahre, männlich
Hier war die Reaktion des Kindes auf das Buch ganz anders. Schon allein die Geschichte, um die Lokomotivfahrt konnte Testperson 2 voll begeistern. Auf die Frage was alles schon im Buch passiert sei, antwortete er immer mit Dingen, die mit dem Zug zu tun hatten oder der Reise. Zum Beispiel „Wir sind schon bei dem Zirkus gewesen“ oder „Wir sind durch den Tunnel gefahren“. Auf Wörter, Buchstaben oder gar die doch eher hochtrabenden Informationen wie das Buchastbieralphabet oder Morsealphabet wurde nicht genannt. Auch die Rätselaufgaben zum Morsealphabet waren zu schwierig für ihn und er hatte dafür wenig Geduld. Lustig fand er dagegen seinen eigenen Namen aus dem Buchstabieralphabet zu hören und erzählte dann noch Tage danach davon und dachte sich für andere Dinge ebenfalls Buchstabieralphabet-Namen aus, die natürlich überhaupt keinen Sinn ergaben, ihn aber unglaublich amüsierten. Ich denke in 2-3 Jahren würde er deutlich mehr aus dem Buch mitnehmen und auch die Rätselaufgaben lösen können. Der Humor des Buches lag voll auf seiner Länge, er kicherte oft und dachte sich allen möglichen Quatsch aus. Der Spaßfaktor lag also recht hoch, der Lerneffekt allerdings sehr, sehr niedrig. Ich finde selbst für 7 Jährige das Buch noch sehr hochtrabend.

Eine Bewertung des Buches fiel mir sehr schwer. Wäre das Buch ab 7 oder 8 Jahren empfohlen worden, hätte ich dem Buch wahrscheinlich volle Punktzahl gegeben, aber das Lesealter wurde eindeutig zu niedrig angesetzt und viele Eltern verlassen sich sehr auf diese Empfehlungen. Dafür gebe ich einen Punkt Abzug. Einen halben Punkt ziehe ich dann noch einmal für den sehr hohen Stellenwert des Lerneffektes ab. Hier wurde aus meiner Sicht versucht zu viel auf einmal zu vermitteln und das Buch hat schon fast Lehrbuchcharakter dadurch.

*Fazit:*
Dieses Buch hat eine sehr schöne und fantasyvolle Grundgeschichte, aber leider wurde zu viel Wert auf einen hohen und breitgefächerten Lerneffekt gelegt. Zusammen mit der aus meiner Sicht falsch gewählten Lesealterempfehlung bekam das Buch von mir 1,4 Punkte Abzug. Positiv ist der humorvolle und abwechslungsreiche Inhalt und die kindgerechten und bunten Bilder hervorzuheben. Ich denke den ganzen Umfang an Wissen und Spaß können erst Kinder im Alter von 8 Jahren und älter erfassen.

 3,6 von 5 Sternen


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