Montag, 9. Mai 2016

Rezi "Das wilde Määäh und die Irgendwo-Insel" Vanessa Walder

Titel: Das wilde Määäh und die Irgendwo-Insel
Autor: Vanessa Walder
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8213-8
Preis: 9,95 €
Genre: Kinderbuch
empfohlenes Lesealter: ab 8
Format: Hardcover
Seitenzahl: 192
Erscheinungsdatum: 8. März 2016
Reihe: 3/3

5+ von 5 Sternen
*Inhalt:*
Ham hätte eigentlich gerne mal seine Ruhe. Aber daraus wird nichts. Er soll ein unsterblicher Held werden, sagt Grazia. Er soll sich ein eigenes Revier suchen, sagt Flöckchen. Er soll Flöckchen helfen, seine Eltern zu finden, sagt Tupfer. Und er soll Papa Kip auf der Irgendwo-Insel suchen. Sagt Ham selbst. Ganz schön stressig das alles. Doch es geht um seine Familie und so beginnt eine neue aufregende Reise für Ham und seine Freunde.   Vanessa Walders Kinderbuchreiche Das wilde Määäh erzählt die Geschichte von einem kleinen schwarzen Schaf und einer ungewöhnlichen Reisegruppe aus Waldbewohnern und Bauernhoftieren und beinhaltet die für Kinder wichtigen Themen Familie, Freundschaft und Anderssein. Ein Buch für die ganze Familie, zum Vorlesen und Selberlesen für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren. Liebevoll und lustig illustriert von Falk Holzapfel
(c)Loewe


*Meinung:*Das Buch ist zwar der dritte und leider letzte Teil der "Das wilde Määäh"-Reihe, aber es kann auch sehr gut ohne das Vorwissen der Reihe gelesen werden. Allerdings empfehle ich trotzdem auch Band 1 und 2 zu lesen, weil ihr dort die Charaktere besser kennen lernt und euch auch verbundener mit ihnen fühlt.

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht recht wie ich anfangen soll. Für mich gibt es einfach kein Kinderbuch geschweige denn eine Reihe, die auf diesem hohen Niveau (pädagogisch wertvoll und unterhaltsam zugleich) ist. Die Autorin schafft es wie keine andere sowohl Kinder zu begeistern als auch Erwachsene. Sie behandelt auf eine sehr einfühlsame, fantasiereiche und nicht belehrende Art und Weise ganz essenzielle Fragen den Lebens und Situationen mit denen Kinder in ihrem Alltag konfrontiert werden. Sie arbeitet mit vielen Metaphern, regt Kinder und Erwachsene zum nachdenken an und trotzdem ist die Handlung immer sehr ausgewogen zwischen humorvollen Situationen und Emotionalem. Hier wird Kindern viel Spielraum für eigene Interpretation gelassen und es gibt viele verschieden Charaktere mit denen sie sich identifizieren können. Allen voran natürlich Ham, der Hauptcharakter.

Ham ist ein kleines Schaf, dass in einem Wolfsrudel aufgewachsen ist und somit denkt, dass er ein Wolf ist. In Band 1 erfährt er zwar die Wahrheit, aber trotzdem fühlt er sich eher wie ein Wolf als wie ein Schaf. In Band 2 zieht er los und findet seine biologischen Vater. Und hier in diesem dritten Band sucht er nun den Vater von seinen Wolfsgschwistern. Begleitet wird er auf dieser Reise wieder von seinen Freunden, die sich im Laufe der Bände charakterlich weiter entwickelt haben. Flöckchen ist Hams bester Freund und ist mittlerweile ein richtiger Teenager geworden. Er erfährt in diesem Band, dass er nicht der leibliche Sohn seiner Eltern ist. Die Themen Adoption, Suche nach der eigenen Identität und nach den eigenen Wurzeln spielen eine ganz große Rolle in diesem Band. Aber auch die sehr aktuellen Themen wie Integration, Angst vor dem Unbekannten und Fragen wie "Wer bin ich?" und "Wo gehör ich hin?" spielen eine Schlüsselrolle in der Geschichte. Alles ganz wunderbar in einer fantasiereichen und unglaublich berührenden Geschichte verpackt.

Das größte Thema des Buches ist aber der Tod und was danach geschieht. Hier wird nichts vorgegeben, sondern zum nachdenken angeregt. Sehr schön fand ich das dieses Thema ganz sanft und vorsichtig aufgebaut wird, sich dann eigentlich über das ganze Buch zieht und schlussendlich seinen Abschluss findet. Viele kleinen Weisheiten werden eingestreut, die sich Kinder herauslesen können, oder eben nicht. Es wirkt nichts erzwungen.

Es ist teilweise schon sehr traurig und ich muss gestehen, dass ich ernsthaft geweint haben. Bei einem Kinderbuch! Aber ich denke, dass Erwachsene das Buch sogar noch viel emotionaler empfinden werden als Kinder. Erwachsener hinterfragen einfach viel mehr, bzw. interpretieren mehr in Dinge hinein und bringen bereits selbst erlebtes mit in das Lesen ein. Trotzdem muss ich sagen, dass ich dieses Buch eigentlich eher für gemeinsame Lesestunden empfehlen würde. Hier kommen sicher viele Fragen und vielleicht auch Ängste auf, vor allem wenn Kinder selbst schon Verluste erleben mussten. Jedes Kind geht damit natürlich unterschiedlich um, aber ich kann mir sehr, sehr gut vorstellen, dass das gemeinsame Lesen und Erleben dieses Buches auch bei realer Trauerbewältigung helfen könnte.

Damit dieses gemeinsame Lesen für Erwachsene nicht langweilig wird, baut die Autorin eine große Anzahl von Anspielungen, Wortwitze und andere Sachen ein, die Kinder nicht verstehen (aber auch nicht stören werden), aber Erwachsene zum schmunzeln bringen. Das habe ich so auch noch nie bei Kinderbüchern erlebt. Ich habe diese Bücher schon oft verschenkt und immer positive Rückmeldungen erhalten. (aber auch hier wurden die Bücher immer gemeinsam gelesen bzw. vorgelesen) Wie ich schon sagte wirkt alles nicht belehrend, aber trotzdem oder gerade deshalb sind die Ham-Bücher pädagogisch sehr wertvoll. Ich würde sie sogar als die pädagogisch wertvollsten Kinderbücher bezeichnen, die ich kenne und da ich im sozialpädagogischem Bereich arbeite, habe ich auch schon etliche gelesen.

Alles in allem macht das Buch bzw. die Buchreihen das sehr ausgewogenen Verhältnis zwischen Humor, Emotionalem und Abenteuer aus. Die Handlung hat mehr Tiefe als man es von Kinderbüchern gewohnt ist und das finde ich mutig von der Autorin. Sie hat das einfach hervorragend hinbekommen. Schade, dass die Reihe nun beendet ist.

Der Schreibstil ist wieder wunderbar. Man hat Bilder vor Augen und man wird richtig in die Handlung gezogen. Neben dem normalen Text gibt es auch wieder Liedtexte und die sind wirklich herrlich rhythmisch und inhaltlich passend. Man fängt sofort an sich eine eigenen Melodie beim Lesen zu denken. Herrlichen Dialekte der Charaktere und Situationskomik gibt es ebenfalls an vielen Stellen. Das können Groß und Klein genießen. Die sehr ausgefallenen und meist sehr witzigen Charaktere sind nicht nur was für Kinder.

Die Altersempfehlung des Verlages ist ab 8 Jahren, was ich als 'Selbstleser' angemessen finde. Allerdings glaube ich, dass man das Buch auch bereits 6 Jährigen vorlesen kann, solange man für Fragen und zum Ängste nehmen zur Verfügung steht.

Das Buch wurde wieder reich illustriert von Falk Holzapfel und seine Zeichnungen sind einfach mega süß.


*Fazit:*
Das Ende hinterlässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich finde es schade, dass die Reihe beendet ist, aber sie hat ein wirklich abgerundetes Ende gefunden. Die Handlung war wieder sehr kindgerecht, spannend und unterhalten. Aber dieses mal auch deutlich trauriger und bedrückender. Daher empfehle ich wirklich das gemeinsame Lesen bzw. vorlesen. Ham ist ein richtig toller Hauptcharakter mit dem sich Kinder leicht identifizieren können und mit ihm mitfiebern können. Außerdem gibt es vielen witzige Charaktere und niemand gleicht hier dem anderen. Die Zeichnungen im Buch sind noch ein besonderer Bonus zu dieser wunderschönen, pädagogisch wertvollen Geschichte.

 5+ von 5 Sternen


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