Donnerstag, 10. Januar 2013

Rezi "An den Ufern des goldenen Flusses" Isabel Beto

Titel: An den Ufern des goldenen Flusses
Autor: Isabel Beto
Originaltitel: s.o.
Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499259777
Preis: 9,99€
Genre: hist. Liebesroman
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 544
Erscheinungsdatum: 01.12.2012
Reihe: -


5 von 5 Sternen
*Inhalt:* 
Janna will mit ihrem Verlobten in Venezuela ein neues Leben als Pferdezüchter beginnen. Doch noch bevor sie einen Fuß auf dieses exotische Land setzt, bringt ein Unwetter ihr Schiff zum kentern. Sie überlebt, doch wird schnell vom sagenumwobenen weißen Kannibalen eingefangen und mitgenommen auf eine Reise zu einem ihr unbekannten Ziel. Dabei lernt Janna das Land ihrer Träume auf eine Art kennen, die sie sich sicher nicht erträumt hatte. Sie weiß nicht ob Reinmar, ihr Verlobter, das Schiffsunglück überlebt hat und ob sie ihn je wieder sehen wird.

*Wie kam das Buch zu mir*
Das Buch wurde mir vom Rowohlt Verlag freundlicherweise für eine Leserunde bei Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Darüber habe ich mich besonders gefreut, da mir der erste Romane der Autorin „Die Bucht des grünenMondes“ bereits so gut gefallen hat.

*Aufmachung/Qualität*
Das Cover stimmt einen bereits vor dem Lesen auf das sehr exotische Lesevergnügen ein. Die Farben sind herrlich warm und ich finde es wirklich großartig, dass man sofort eine Ähnlichkeit zu Isabel Betos anderem Roman sieht. Im Laden fällt der Blick dann sofort auf das Buch und man weiß, dass es von dieser Autorin ist ohne es zu lesen. Vor allem. dass den Schriftzug der Autorin immer ein Vogel ziert, finde ich wunderschön und originell.

*Meinung:* 
Die Grundidee ist mitreißend, interessant und so herrlich exotisch. Zwei junge Menschen im 19. Jahrhundert, die nicht ganz so prüde und eingefahren sind wie die meisten ihrer Landsleute, machen sich auf den Weg nach Venezuela um dort zu heiraten und ihr Glück als Pferdezüchter zu versuchen. Beide wirken verliebt und voller Hoffnung. Dann trennen sich ihre Wege durch ein Schiffsunglück und Janna, der weibl. Hauptcharakter, muss sich eine ganze Zeit durch die für sie völlig neue Welt/Wildnis kämpfen. An ihrer Seite ihr ziemlich wortkarger, eher rauer Entführer. Nach und nach lernt sie diesen besser kennen und lernt auch das Land zu lieben. Doch irgendwann hat das ein Ende und Janna muss sich wieder in ihrem 'alten' Leben zurechtfinden. Ob ihr dies gelingt oder ob sie ihr noch andere Möglichkeiten offenbaren, müsst ihr selbst lesen. Neben der Liebesgeschichte gibt es allerhand historischen Hintergrund und viele große und kleine Dramen, die mit der damaligen Zeit zu tun haben. In Venezuela war zu dieser Zeit nämlich nicht nur die Wildnis gefährlich. Es gab noch Sklaverei und das Aufbegehren dagegen, aber vor allem gab es Freiheitskämpfer, die sich ihr von Spaniern besetztes Land zurückerobern wollten. Dies alles spielt eine große Rolle in diesem Roman und es wird so bildhaft und mitreißend erzählt, dass man sich mittendrin erwägt.

Der Schreibstil von Isabel Beto ist großartig. Sie schafft es einen mitten in diese exotische Welt zu versetzen. Die Umschreibungen sind sehr detailliert, aber das macht es gerade zu so einem Lesevergnügen. Auf den ersten Blick wirkt das Buch unheimlich dick mit seinen 544 Seiten, aber diese fliegen einfach nur so an einem vorbei.

Für ein Buch dieses Genres war es sehr spannend. Jeder Abschnitt auf eine andere Art und Weise. Der Abschnitt in der Wildnis hielt dadurch die Spannung, dass man Arturo (den Entführer) nicht einschätzen kann und wo es hingeht. Nach und nach erfährt man ein wenig mehr über ihn und vor allem aber über das Land in dem Janna nun überleben muss. Dann folgen die Abschnitte in der Stadt. Diese waren vor allem durch die drohende Kriegsgefahr, aber auch durch Jannas Veränderungen interessant. Ich habe mich an keiner Stelle gelangweilt und wurde an einigen auch sehr überrascht.

Die Emotionen kamen gut herüber. Janna ist für die damalige Zeit etwas zu offen, wagemutig und selbstbewusst, aber es wird alles logisch erklärt. Ich hätte an vielen Stellen mit mehr Panik oder Empörung gerechnet, aber durch diesen eher eigensinnigen Charakter kam es nicht dazu. Trotzdem waren Jannas Reaktionen für mich überzeugend. Auch die Gefühle und Reaktionen der männlichen Charaktere wirkten auf mich authentisch. Sowohl die der beiden männlichen Hauptcharaktere als auch der Nebencharaktere wie dem Doktor, der eine wichtige Rolle spielt. Reinmars Verliebtheit und seine Verzweiflung kamen ebenfalls sehr gut herüber.

Die Charaktere waren originell und interessant. Janna habe ich ja oben schon zur Genüge beschrieben. Ich fand ihren Charakter sehr sympathisch und habe es genossen mit ihr gemeinsam dieses Abenteuer zu erleben. Arturo war sehr verschlossen, er blieb bis zum Schluss eher eine Hülle. Es ist schwer zu beschreiben. Er gibt so wenig von sich preis und zeigt kaum Emotionen. Trotzdem passte das alles zu seinem Charakter und man konnte ihm die Liebe zu Janna durchaus abnehmen. Reinmar ist die tragische Figur in dem Roman. Er tat mir unendlich leid, da seine Liebe wirklich echt wirkte. Der gute Doktor hat zwar nur eine Nebenrolle, aber ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Er ist wirklich ein ganz besonderer Mensch. Auch die Nebencharaktere wurden toll beschrieben, aber nicht zu detailliert. Die Autorin fand einfach genau das richtige Maß. Die Charaktere entwickeln sich deutlich weiter in dem Roman – vor allem Janna wird geprägt durch ihre Erlebnisse.

Der Erotikfaktor ist hier relativ gering. Man spürt sie Anziehungskraft zwischen Reinmar und Janna sowie die zwischen Arturo und Janna, aber es wurde leider an richtig leidenschaftlichen Szenen gespart. Das fand ich schade, zumal ich das aus Frau Betos ersten Buch anderes in Erinnerung hatte.

Die Liebesgeschichte wird sehr langsam und glaubwürdig entwickelt. Sie zieht sich eher im Hintergrund über das ganze Buch hin. Vielleicht wirkte sie gerade deshalb überzeugend auch ohne das es zu vielen Liebesbezeugungen kommt. Vermisst habe ich diese intimen Momente allerdings schon. Es wurde nur durch die exotische Kulisse ausgewogen.

Grundidee 5/5
Schreibstil 5/5
Spannung 4,5/5
Emotionen 4,5/5
Charaktere 5/5
Erotik 2/5
Liebesgeschichte 3,5/5

*Lesergruppe:*
Leser, die gern historische Romane mit exotischer Kulisse lesen. Auch Leser, die von Sexszenen abgeschreckt werden, sind hier gut bedient. Wenn hier ein sexueller Akt beschrieben wird dann eher um das Thema Gewalt rüber zubringen, die in den geschichtlichen Hintergrund passt. Ich würde den Roman als Kitschfrei bezeichnen.


*Fazit:*
Dies ist ein Liebesroman in sehr exotischer Kulisse, der ohne Kitsch auskommt. Ich hätte mir etwas mehr Einblick in die intime Seite der Liebesgeschichte gewünscht, wurde aber auch mit dem was ich geboten bekam sehr gut unterhalten. Die Charaktere waren sehr interessant und der historische Hintergrund ebenfalls. Das Buch war wirklich ein exotisches Lesevergnügen der ganz besonderen Art.

5 von 5 Sternen
 

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