Samstag, 21. März 2015

Rezi "Die letzten Wächter" Sergej Lukianenko

Titel: Die letzten Wächter (Wächter Zyklus #6)
Autor: Sergej Lukianenko
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-31497-9
Preis: 14,99 €
Genre: Urban Fantasy
Format: Klappenbroschur
Seitenzahl: 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. März 2015
Reihe: 6/6

4,6 von 5 Sternen
*Inhalt:*
Eine einzigartige Mischung aus Horror und Fantasy
Von Tausenden Fantasy-Fans sehnsüchtig erwartet, legt Bestsellerautor Sergej Lukianenko mit »Die letzten Wächter« nun endlich das atemberaubende Finale zu seiner Wächter-Serie vor, der legendären Saga um die »Anderen« – Vampire, Hexen, Magier, Gestaltwandler –, die seit Jahrhunderten unerkannt in unserer Mitte leben. Längst ist der fragile Waffenstillstand zwischen den Mächten des Lichts und der Dunkelheit nichtig geworden, und auf den Straßen herrscht offener Krieg. Als die Stunde der finalen Schlacht gekommen ist, entscheidet sich das Schicksal der Welt endgültig.
(c)Heyne

*Wie kam das Buch zu mir*
Ich liebe diese Reihe einfach abgöttisch, weil sie etwas ganz besonderes ist. Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

*Aufmachung/Qualität*
Die Cover der gesamten Reihe gehören für mich zu den schönsten in meinem Regal. Ich liebe Raben und somit auch das Cover, obwohl es nicht wirklich etwas mit der Handlung zu tun hat.
Qualitativ ist das Buch hochwertig - die Seiten sind stabil gebunden und angenehm dick.

*Meinung:*Ich finde es so gut wie unmöglich hier eine Rezi für jedermann zu verfassen. Daher habe ich mich entschieden diese Rezension in zwei Abschnitte einzuteilen. So kann jeder je nach seiner jeweiligen Vorerfahrung mit der Reihe zum richtigen Abschnitt wechseln.

Rezension für Neulinge der Reihe (allgemeiner Inhalt der Reihe)
Man muss die Bücher dieser Reihe wirklich in der richtigen Reihenfolge lesen. Der Weltaufbau und die Handlung bauen extrem aufeinander auf und das ganze wird sonst sehr verwirrend und macht wenig Sinn. Daher werde ich in diesem Abschnitt auch nur allgemein auf die Welt und Handlung der Reihe eingehen und bitte jeden Leser dann wirklich mit Band 1 ("Wächter der Nacht")anzufangen.

Das ganze ist Urban-Fantasy - es gibt hier also magische Wesen (da zähle ich jetzt auch mal magische Menschen dazu) aber diese leben in unserer realen Welt. Das ganze hat Lukianenko sehr gut durchdacht und einen komplexen Weltaufbau geschaffen. Die magischen Wesen (Gestaltwandler, Vampire, Hexen, Zauberer...) leben unter den Menschen, ohne das diese davon etwas mitbekommen. Grob unterteilen sich alle magischen Bewohner der Welt in Dunkle und Lichte. Einige werden bereits in dem Wissen geboren, andere entdecken ihre Magie erst später im Leben und werden dann initiiert. Das heißt sie müssen sich für eine Seite entscheiden. Ein ganz wichtiger Punkt dieser Reihe ist es nicht nur die Konflikte zwischen diesen beiden Gruppen zu thematisieren, sondern vor allem auch den Leser dazu anzuregen darüber nachzudenken, dass nicht alles Dunkle wirklich böse ist und auch die Lichten vielleicht nicht immer moralisch korrekt agieren. Das macht der Autor unglaublich geschickt, ohne dass man das Gefühl hat belehrt zu werden. Er erreicht das durch seine unglaublich starke und sympathische Hauptfigur Anton. Mit ihm schaut man hinter die Fassaden der Dunklen und Lichten und fiebert mit ihm mit, sich richtig zu entscheiden oder mit falschen Entscheidungen zu leben. Es gibt eine Tag- und eine Nachtwache, die sich gegenseitig überwachen. Großes Thema ist das Gleichgewicht dieser beiden Mächte und das ist in so gut wie jedem Band der Reihe auf irgend eine Art gefährdet. Anton entscheidet sich zwar in Band 1 für eine Seite aber hinterfragt seine Entscheidung bzw. die Vorgehensweisen jeder Seite immer wieder. Zum Beispiel wird das Töten von Menschen durch die Nachtwache (also die Lichten) reglementiert. Sie erteilen Lizenzen zum Töten an die Dunklen und überwachen, ob sie sich daran halten. Die Dunklen im Gegenzug bestimmen wie viele Zauber für das Gute angewendet werden dürfen. Ideal sollte somit ein Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Interventionen in der Menschenwelt hergestellt werden. Ein weiteres ganz wichtiges Element ist das Zwielicht - eine Art Schatten- oder Parallelwelt. Dieses lernt man erst nach und nach kennen, weil es sehr komplex ist und nur von den Anderen (magischen Wesen) betreten werden kann. Je nach Rang des Anderen kann er bestimmte Ebenen darin betreten und diese dann auch für bestimmte Dinge nutzen. Aber das lernt der Leser nach und nach in den Bänden.

Das allein ist schon sehr interessant, aber Lukianenko macht das ganze auch noch durch vielen Geheimnisse spannend. Man rätselt immer wieder mit, wird auf falsche Fährten geleitet und oft überrascht.

Gewöhnungsbedürftig für einige Leser wird wohl der Schreibstil von Herrn Lukianenko sein. Mir gefällt er unglaublich gut, weil er einzigartig ist. Er schreibt oft recht kühl (und hat mich doch das ein oder andere Mal zu Tränen gerührt), teilweise philosophisch und mit einem russischen Stil.

Mich hat Anton immer begeistern können. Er ist ein genialer Protagonist, den man gern begleitet. Seine Gewissenskonflikte konnte ich immer gut nachvollziehen und teilweise auch seine Wut auf bestimmte Personen in seinem Umfeld. Im Laufe der Reihe muss er schwerwiegende Entscheidungen treffen, die er sich nie leicht macht. Aber auch die Nebencharaktere sind einfach so genial. Allen voran Geser, der Leiter der Nachtwache/Lichten und Sebulon, der Leiter der Tagwache/Dunklen. Diese beiden sind sehr speziell und man durchschaut sie so gut wie nie. Teilweise sind sie recht skrupellos, dann helfen sie wieder Anton oder man empfindet sie als sehr menschlich. Ich fand die Stellen, wo diese beiden ihre Auftritte hatten immer besonders interessant. Anton bekommt im Laufe der Reihe auch eine Frau an seine Seite und gründet eine Familie. Das wurde ebenfalls genial umgesetzt, ohne das es groß romantisch wird.


Rezension für Kenner der Reihe(speziell auf diesen Band bezogen)
So, wer doch noch etwas allgemein zu meiner Meinung zum Weltaufbau, Handlung und Charakteren der Reihe lesen möchte, der muss doch den oberen Abschnitt lesen. Wer allerdings die Reihe schon bis Band 5 kennt, braucht das eigentlich nicht. Hier werde ich nun ganz speziell auf diesen letzten Band der Reihe eingehen.
Vom Stil her bleibt sich der Autor treu. Er hat eben seinen ganz eigenen, unverkennbaren Schreibstil. Ich persönlich liebe ihn.
Inhaltlich habe ich lange Zeit geschwankt, ob ich nun 4 oder 5 Sterne geben soll. Leider gab es schon Abschnitte, die ich etwas langgezogen und teilweise zu philosophisch und wiederholt empfand. Doch dann kam das große Finale, dass mich echt gepackt hat und zum Schluss etwas atemlos zurück ließ. Mit solch einem Ende hätte ich wirklich nicht gerechnet und ich muss gestehen, dass auch ein, zwei Tränchen geflossen sind. Anton kämpft in diesem Band meist nicht ganz allein, sondern mit Sweta und Nadja zusammen. Vor allem Nadjas Rolle hat mich sehr überrascht - positiv überrascht. Das Mädchen hat sich wirklich entwickelt und ich habe sowohl ihre Interaktionen mit ihren Eltern als auch ihre magischen Aktionen sehr begeistert. Das Zwielicht spielt wieder eine große Rolle. Den Tiger kennen wir ja bereits und er hat auch hier wieder viel mit der Handlung zu tun, aber es kommt nun noch eine weitere Gestalt dazu. Diese ist auch wieder sehr interessant und macht das gesamte Buch spannend. Es wird nämlich die ganze Zeit nach einer Möglichkeit gesucht diesen zu bekämpfen, herauszufinden wer oder was er eigentlich genau ist und warum er so eine große Bedrohung für die ganze Welt darstellt. Dabei trifft man noch einmal auf alle großen Gruppen der Reihe - die Hexen, Vampire, Gestaltwandler, den Tiger und die Lichten und Dunklen. Das fand ich sehr gut für einen Abschlussband. Überhaupt ist die Handlung der ganzen Reihe damit gekonnt beendet worden und das Ende war wirklich atemberaubend, mitreißend und überraschend.
Anton hat in diesem Band noch einen heimlichen Helfer und auch das machte das Buch spannend. Ich habe die ganze Zeit überlegt wer es nun ist und warum er/sie ihm hilft.
Für mich war es ein toller Abschluss der Reihe und jeder Fan des Autors bzw. des Wächter Zyklus sollte ihn lesen.

Grundidee 5/5
Schreibstil 4,5/5
Spannung 4/5
Emotionen 4/5
Charaktere 5+/5
Liebesgeschichte 2/5 (ist aber auch nicht wichtig für das Buch)

*Fazit:*
Ich liebe diese Reihe und kann sie jedem Urban-Fantasy Fan empfehlen, der auf romantische Liebesgeschichten verzichten kann und sich auf einen ganz eigenen, teilweise recht kühlen Schreibstil einlassen kann. Die Reihe ist spannend und überraschend. Auch dieser letzte Band hat mich wirklich gefesselt, überrascht, am Schluss sogar zu Tränen gerührt und atemlos zurückgelassen. Ich freue mich schon auf die neue Reihe des Autors die im September herauskommt. ("Licht und Dunkelheit")


 4,6 von 5 Sternen


Reihe:
Wächter der Ewigkeit
Die letzten Wächter

Kommentare:

  1. Sehr schöne und ausführliche Rezension. Ich werde jetzt definitiv mal stöbern gehen. Die Reihe ist mir zwar zuvor schon über den Weg gelaufen, allerdings habe ich zuvor irgendwie noch keine Rezension dazu auf irgendwelchen Blogs gesehen. Danke für das aufmerksam machen!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wahrscheinlich weil es eine wirklich sehr einzigartige Reihe ist. Der Schreibstil von Lukianenko ist sehr speziell. Das liegt sicher nicht jedem, aber ich habe in meinem Freundeskrei und Bekanntenkreis viele Fans der Reihe. Man sollte allerdings nichts in der Art Paranormal Romance erwarten, was viele Leser momentan im Kopf haben, wenn man Urban Fantasy erwähnt. Am besten du liest mal in eine Leseprobe hinein.
      LG
      Sunny

      Löschen